Finger weg vom Wertpapierkredit
Eine Reihe von Anlegern hat im Rahmen der bis zum März vergangenen Jahres dauerenden Aktienhausse Wertpapiere auf Kredit gekauft. Diese so genannten Lombardkredite waren durch zuvor erworbene Wertpapiere gesichert. Als die Kurse an den Aktienmärkten, insbesondere dem neuen Markt, immer stärker zurückgingen, waren auch die Sicherheiten für die gewährten Kredite nicht mehr in ausreichenden Höhe vorhanden. Die Banken forderten neue Sicherheiten.
In der Regel gewähren die Depotbanken für die weitere Stellung beziehungsweise die Zurückführung des Solls in den vereinbarten Überziehungsrahmen eine Frist von mehreren Wochen. Doch viele Anleger verkennen den Ernst der Situation und lassen diese Frist ungenutzt verstreichen. Steigen die Kurse der beliehenen Aktien wider Erwarten dann nicht, gehen immer mehr Depotbanken dazu über, die zuvor gepfändeten Wertpapiere im Wege eines Zwangsverkaufes, der so genannten Exekution zu verwerten.
Eindringliche Warnung
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz registriert aktuell eine bedenklich hohe Zahl diesbezüglicher Hilferufe. Deshalb kann nicht genug auf die Gefahren und Risiken einer solchen Finanzierung von Aktienkäufen hingewiesen werden. Privatanlegern kann immer wieder nur geraten werden, allein dann in Wertpapiere zu investieren, wenn Sie das dafür benötigte Kapital „übrig haben“ und für eine längere Periode entbehren können.
Unter einer längeren Periode ist dabei einen Dauer von rund drei bis fünf Jahren zu verstehen. Aktien sollten - auch ungeachtet der Entwicklung im vergangenen Jahr - stets als Langfristanlage verstanden werden. Benötigt der Anleger das investierte Kapital nicht kurzfristig zurück, kann er getrost auch schwierige Zeiten wie die aktuelle Situation ohne schwerwiegende Schäden überstehen.
Die Gefahr zusätzlicher Schulden
Dieser Luxus ist einem Anleger, der seine Investitionen auf einem Wertpapierkredit aufbaut, leider genommen. Kann er auf Verlangen des kreditgewährenden Institutes keine weiteren Sicherheiten nachschießen, ist in den meisten Fällen nicht nur seine Einlage verloren. Aus der zuvor eingegangenen Kreditvereinbarung entsteht zudem noch eine weitere Schuld. Um solchen negativen Folgen zu entgehen, sollten Privatanleger dem Wertpapierkauf auf Pump, trotz manchmal verlockender Angebote der Depotbanken, vollends aus dem Wege gehen.
Konnten Anleger den Reizen eines Wertpapierkredites dennoch nicht widerstehen, und die Bank verlangt bei entsprechend negativer Entwicklung der Börse weitere Sicherheiten, dann sollten zusammen mit der Depotbank mögliche Lösungswege aus der jeweiligen Misere erarbeitet werden. Falsch wäre es, sich vor der Wirklichkeit zu verschließen und passiv auf steigende Kurse zu hoffen. Das geht meistens schief.

