Wer Wind sät, wird ein Lüftchen ernten

Manchmal wundert es einen schon, wie schnell ein wütender Orkan zu einem lauen Lüftchen wird. Zu beobachten war dieses beeindruckende Schauspiel erst jüngst wieder auf der Hauptversammlung der Volkswagen AG. Im Vorfeld brachten die Fondsgesellschaften ihre Windmaschinen in Stellung, direkt in Richtung VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Und das wahrlich nicht ohne Grund. Piëch hatte in einem Zeitungsinterview seinen kurz vor einer Vertragsverlängerung stehenden Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder ganz nebenbei zu einem Chef auf Abruf degradiert. Und das in einer Situation, in der der Wolfsburger Automobilkonzern ein starkes, durchsetzungsfähiges Management dringender braucht als jemals zuvor, um die notwendigen Umstrukturierungen beherzt anzupacken.

Entsprechend hoch schlugen die Wellen der Empörung, auch bei Vertretern aus der Fondsbranche. Diesmal sollte dem Wind wirklich ein Sturm folgen. Statt, wie sonst bei Fondsmanagern durchaus üblich, es bei lauten Missfallensäußerungen zu belassen, wurde tatsächlich Opposition gegen die Entlastung von Herrn Piëch eingelegt. Damit schien klar: Selbst wenn die Mehrheitsverhältnisse auf der Hauptversammlung aufgrund der beiden VW-Großaktionäre Porsche und Niedersachsen für Piëch einen auskömmlich großen Windschutz bieten, sollten doch wenigstens ein paar kräftige Böen bei dem mächtigen alten Mann ankommen.

Die Realität stellte sich leider anders dar. Der Sturm der Entrüstung hielt sich gerade noch während der Reden einiger Fondsvertreter. Da wurde – völlig zu Recht übrigens – auf die unmögliche Handlungsweise Piëchs hingewiesen. Doch dann kam es zum Schwur, zur Abstimmung über die Entlastung von Ferdinand Piëch als Oberkontrolleur der Volkswagen AG. Ganze 1,77 Prozent stimmten dagegen. Wenn das kein laues Lüftchen war.

Ulrich Hocker