Private Equity als Gefahr für deutsche Banken
Der deutsche Mittelstand ist schon seit geraumer Zeit im Blickfeld internationaler Beteiligungsgesellschaften. Allein im letzten Jahr kauften Private-Equity-Unternehmen hierzulande Firmen im Wert von rund 30,5 Milliarden Euro. Daran ist zunächst nichts Besorgnis erregendes. Ganz im Gegenteil: Wir freuen uns über ausländische Anleger, die ihr Geld in Unternehmen „Made in Germany“ investieren. Leider wird nur ein kleiner Teil des Kapitals von professionellen Aufkäufern wie Blackstone, KKR oder Warburg selbst eingebracht. Das Gros des Geldes wird über das Bankensystem – gerne auch das deutsche – finanziert. Für die notwendigen Kredite stehen nicht die Übernehmer gerade. Vielmehr tragen meist die übernommenen Unternehmen die Last.
Hier liegt ein Problem der aktuellen Entwicklung. Die Kreditinstitute neigen bei der Bewertung der Risiken dazu, Best-Case-Szenarien für die betroffenen Firmen zu Grunde zu legen. Der Rentabilitätspfeil weist ab dem Zeitpunkt des Einstiegs einer Private-Equity-Gesellschaft meist steil nach oben. Kein Wunder, nur so sind die attraktiven Konditionen darstellbar, die im harten Wettbewerb mit der Konkurrenz notwendig sind, um die lukrativen Aufträge zu bekommen, die neben dem Kreditengagement oft noch mit gut dotierten Beratungsverträgen versüßt werden. Die Angst, den Auftrag zu verlieren, ist dann meist größer als die Vorsicht. Wenig Beachtung finden in dieser Goldgräberstimmung Hinweise auf die durchaus vorhandenen Gefahren. Dabei würde eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums viele Kreditengagements zu kaum kalkulierbaren Risiken machen. Wenn bei den Kreditinstituten nicht bald ein Umdenken einsetzt, scheint die nächste Bankenkrise hier vorprogrammiert zu sein.
Ulrich Hocker

