Panik als schlechter Investmentberater
„Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, lautet eine der bekannteren Börsenweisheiten. Der Spruch bezog sich zwar ursprünglich auf tatsächliche kriegerische Auseinandersetzungen, ist heute aber in nahezu jeder kritischen Situation zu hören. Zum letzten Mal donnerten die Kanonen, als die amerikanische Investmentbank Bear Stearns vor der Pleite stand und nur ein massiver Eingriff der US-Notenbank die Insolvenz verhinderte. In derartigen Situationen lassen sich Anleger oft von der Dramatik der Ereignisse beeindrucken und gehen in Deckung. Ablesen lässt sich dies an einer ganzen Reihe von Stimmungsindikatoren. So standen kurz nach den Nachrichten rund um Bear Stearns bei nahezu allen bekannten Barometern die Zeichen auf „Panik“ – übrigens nicht nur bei den Privatanlegern. Auch bei Profiinvestoren lag der Wert für die Zahl der Pessimisten, der von Investors Intelligence ermittelt wird, höher als kurz nach dem 11. September. Wie die Daten zeigen, ist die Stimmung der Anleger häufig ein sehr brauchbarer Kontraindikator. Je schlechter ihre Laune ist, desto besser sind oft die Zukunftsaussichten. Historisch gesehen haben sich diese Panikzeiten mittel- bis langfristig immer als sehr gute Momente zum Einstieg in den Aktienmarkt erwiesen. Schon vom jüngsten Paniktief haben sich die Börsen wieder deutlich erholt. Die Kurse sind aber im Vergleich zum Jahresanfang nach wie vor eher niedrig. Für längerfristig orientierte Investoren stellen die aktuellen Preise daher sicher eine interessante Einstiegsmöglichkeit dar. Zur Hektik besteht allerdings kein Anlass. Weitere drohende Milliardenabschreibungen bei Banken sowie miserable Konjunkturdaten bergen – obwohl schon viel Negatives in die Kurse eingearbeitet ist – durchaus noch Abschwung- und Panik-Potenzial.
Ulrich Hocker

