Fondsvertreter lassen Kritik meist keine Taten folgen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Aktie der DaimlerChrysler AG pendelt um 35 Euro und liegt damit etwa bei dem Wert, den das Papier zum Amtsantritt von Jürgen Schrempp als Daimler-Chef vor neun Jahren hatte. Nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Entsprechend geladen war die Atmosphäre auf der Hauptversammlung des Autokonzerns. Die Geduld der Anteilseigner geht zu Ende. Kaum einer glaubt noch an die hochtrabende Idee der Welt-AG. Der empörte Aufschrei der privaten Aktionäre war auch deutlich hörbar, aber nicht so laut, wie er hätte sein können. Statt 99,44 Prozent wie im vergangenen Jahr, konnte Schrempp diesmal nur noch 88,49 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Noch schlimmer erwischte es Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Er wurde von 87,28 Prozent  des anwesenden Kapitals entlastet. 2003 lag die Zustimmung bei 99,34 Prozent. Eine Ohrfeige ist dieses Ergebniss allemal, doch warum haben nicht mehr gegen das Duo Kopper-Schrempp gestimmt? Der Hintergrund ist einfach: Die meisten Fondsgesellschaften lassen ihren großen Worten noch immer keine Taten folgen. Einzig die Deka, Fondsgesellschaft der Sparkassen, hat nicht nur deutliche Kritik geübt, sondern war auch mutig genug, gegen die Entlastung zu stimmen. Die anderen Fondsvertreter machten zwar ebenfalls keinen Hehl aus ihrer Unzufriedenheit, Konsequenzen gezogen haben sie aber nicht. Was zu erwarten war. Wer hatte schon ernsthaft damit gerechnet, dass etwa die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, mit Kopper einen Ex-Deutsche-Bank-Chef vorführt? Unternehmensinterne Abhängigkeiten sind hierzulande eben nach wie vor wichtiger als das aktive Vertreten von Anlegerinteressen. Und das Ende vom Lied: Noch am späten Abend wurde Kopper für weitere drei Jahre zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt und der Vertrag von Schrempp bis 2008 verlängert.

Ulrich Hocker