Finanzkrise muss zum Umdenken führen
Der Tiefpunkt ist durchschritten! Eine solche Nachricht würden wohl alle Börsianer in diesen Tagen gerne hören. Keine Frage: Die Finanzkrise hat beängstigende Ausmaße angekommen. Doch leider ist nicht absehbar, ob wir mit dem Rettungspaket der US-Regierung in Höhe von 700 Milliarden Dollar tatsächlich das Schlimmste überstanden haben und ob es aufwärts geht. Dennoch ist es an der Zeit, Lehren aus dem US-Bankendebakel und der globalen Kettenreaktion zu ziehen. Sobald sich die Lage stabilisiert, muss über eine stärkere Regulierung der Märkte nachgedacht werden. Es kann nicht sein, dass Spekulanten durch ungedeckte Leerverkäufe die Kurse massiv bewegen und die Märkte an den Rand des Abgrunds führen - ohne dass sie mit eigenen Aktien ins Risiko gehen. Hier sollte man nicht nur über provisorische, sondern über generelle Einschränkungen nachdenken.
Auch bei Zertifikaten muss man umzudenken. Die Lehman-Insolvenz hat gezeigt, dass das Emittentenrisiko nicht nur theoretisch existiert, sondern viele tausend Anleger ihre Einlagen kosten kann. Hier sollten die Emittenten in die Pflicht genommen werden, Risiken mitzutragen. Etwa, indem sie einen Teil ihrer emittierten Papiere in das eigene Buch nehmen. Im Finanzsektor wird bereits umgedacht. Wurden deutsche Banken gerade von US-Investoren bisher als langweilig belächelt, gelten sie mit ihrem substanzreichen Privatkundenbereich nun als besonders krisenfest und haben Vorbildcharakter.
Ulrich Hocker

