Es gibt keinen Grund, sich zu verstecken

In den letzten Jahren drängte sich der Eindruck auf, dass ganz Deutschland in eine Art depressive Lähmung verfallen war. Kein Wunder, war der Gemütszustand der Bürger doch bestimmt von Hiobsbotschaften aller Art. Als da wären Massenentlassungen, Rekordarbeitslosigkeit oder der bevorstehende Kollaps von Renten- und Gesundheitssystem. Die Liste ließe sich ohne Schwierigkeiten erheblich verlängern. Unterstützt wurde die unselige Entwicklung von Politikern jeglicher Couleur. Statt über Chancen wurde nur über Risiken gesprochen, statt großer Reformen gab es die „Politik der ruhigen Hand“. Das einzige Reformvorhaben, das in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit wirklich intensiv diskutiert wurde, war die Rechtschreibreform.

Auch die angekündigten „kleinen Schritte“ der aktuellen Regierung sind sicher nicht gerade das, was die Wähler erhofft hatten. Trotzdem scheint der einst von Ex-Bundespräsident Roman Herzog geforderte „Ruck“ nun tatsächlich durch Deutschland zu gehen. Die Auftragseingänge bei den Maschinenbauunternehmen entwickeln sich weiter positiv. Deutschland bestätigt damit einmal mehr seinen Rang als Exportweltmeister. Aber auch in den anderen Branchen geht es mittlerweile bergauf. Die Unternehmen haben die Phase der Konsolidierung erfolgreich genutzt. Gewinne sprudeln so reichhaltig wie lange nicht mehr. Jetzt werden die Weichen in Richtung internationales Wachstum gestellt. Die Finanzierung ist kein Problem, sind die Kriegskassen doch prall gefüllt. Da verwundert es nicht, dass sich die deutschen Unternehmen in den letzten Monaten von notorischen Übernahmeopfern zu möglichen Übernehmern gemausert haben. Und langsam aber sicher setzt sich das Wissen von der Stärke der deutschen Wirtschaft auch hierzulande durch.

Ulrich Hocker