Eher stille Lasten, als stille Reserven?

Die Auswirkungen der Globalisierung lassen sich an vielen Zeichen ablesen. So befindet sich bei zahlreichen deutschen Großunternehmen die Mehrheit der Aktien bereits in den Händen ausländischer Investoren. Deutschland wird auch in größeren Stücken aufgekauft. Zunehmend greifen ausländische Private Equity Firmen nach ganzen Unternehmen, wie zuletzt bei Edscha, MTU oder Gerresheimer Glas. Ein weiterer Bereich weckt die Begehrlichkeiten internationaler Investoren: Waren es früher die Eisenbahnerwohnungen sind es nun die Immobilien der Deutschen Bank.

Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft war die Veräußerung eines Immobilienportfolios von rund 1 Milliarde Euro an die US-Investmentgruppe Blackstone nur der erste Schritt. Darüber hinaus stehen noch

weitere Liegenschaften in Deutschland mit rund 900 Millionen Euro offensichtlich in den Büchern. Viel entscheidender ist jedoch: Die Transaktion beschert dem größten deutschen Geldinstitut einen Buchverlust von 100 Millionen Euro.

Wer hätte das gedacht? Dabei erfolgt der Verkauf zum Verkehrswert. Und man kann wohl davon ausgehen, dass das Institut eine solide Bilanzierung vorgenommen hat. Den Aspekt eines möglichen Impairment-Test nach US-GAAP über den Immobilienbestand will ich hier einmal außen vor lassen.

Denn schnell stellt sich eine ganz andere Frage: Wie steht es dann erst mit anderen Banken und Versicherungen? Viele von ihnen sitzen auf leer stehenden Büroflächen. Der Wert, zu dem diese Immobilien in den Büchern stehen, wird angesichts des Angebotsüberhanges kaum zu realisieren sein. Damit Hand in Hand geht das Risiko umfangreicher Abschreibungen. Die Befürchtung liegt nahe, dass sich über kurz oder lang viele vermeintlich stille Reserven eher als „stille Lasten“ der Unternehmen entpuppen werden.

Ulrich Hocker