Deutschland gibt Grund zur Hoffnung
Noch vor wenigen Monaten galten Unternehmen, die ihren Umsatz überwiegend in Deutschland machen, als akut gefährdet. Kein Wunder, beherrschten doch Kaufunlust der Konsumenten, mangelnde Investitionslust der Unternehmen und Reformunfähigkeit das Bild. Und dies obwohl die Wirtschaftsdaten schon seit einiger Zeit positive Signale senden. So meldete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) deutlich gestiegene Auftragseingänge bei seinen Mitgliedsunternehmen.
Selbst die lange als unheilbar pessimistisch geltenden deutschen Konsumenten fassen langsam wieder Vertrauen. Und jetzt scheint sich sogar die Wahrnehmung am Kapitalmarkt der verbesserten Datenlage anzupassen. So hob kürzlich ein Analyst bei einem schweizerischen Maschinenbauer als besonders positiv heraus, dass die Gesellschaft 43 Prozent ihres Geldes in Deutschland verdient. Damit werde das Unternehmen „von einer Erholung der deutschen Inlandsnachfrage mit der vollen Breite seiner Palette profitieren“, hieß es. Es ist lange her, dass so etwas zu lesen war. Deutschland-Lastigkeit war bis vor kurzem alles andere als ein Pluspunkt, sie wurde eher als zu vermeidendes Klumpenrisiko wahrgenommen.
Einen echten Grund zur Entwarnung gibt es allerdings noch nicht. Die Rahmendaten haben sich zwar verbessert, doch es bleiben viele Unwägbarkeiten, die den nach wie vor labilen Aufschwung schnell wieder abwürgen können. So wurde mit den dringend notwendigen politischen Reformen noch nicht einmal begonnen. Hinzu kommt die Frage, wie viel der aktuell guten Zahlen auf einem reinen Vorzieheffekt beruhen, den uns die 2007 kommende Mehrwertsteuererhöhung beschert. Da wundert es nicht, dass der VDMA vorsichtig von einem „Feuerwerk“ spricht. Solche Spektakel sind zwar hell und laut, aber nicht von langer Dauer.
Ulrich Hocker

