Der Fall „Josef Ackermann“ geht weiter
Deutsche-Bank-Boss Josef Ackermann kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen. Kaum beginnen sich die Wellen rund um die vorübergehende Schließung eines offenen Immobilienfonds der Deutsche-Bank-Tocher DB Real Estate zu glätten, wird der Manager von seiner Vergangenheit in Sachen Mannesmann eingeholt. Rund 57 Millionen Euro haben Ex-Manager des Mobilfunkkonzerns Mannesmann im Zuge der Übernahme durch die britische Gesellschaft Vodafone als Bonuszahlungen erhalten. Genehmigt wurden die Zahlungen von den Mitgliedern des zuständigen Ausschusses des Aufsichtsrats, dessen Mitglied Ackermann war. Die Entscheidung, als besondere Belohnung für außergewöhnliche Leistungen des Managements gedacht, entwickelt sich für die Beteiligten zu einem echten Alptraum. Schon der ausführliche Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht (LG) war, trotz des Freispruchs, kein Zuckerschlecken. Der Vorwurf der Untreue konnte zwar nach Meinung der zuständigen Richterin nicht bewiesen werden, sie machte aber sehr deutlich, dass mit den Bonuszahlungen gegen gültiges Aktienrecht verstoßen wurde.
Jetzt steht fest: Der Alptraum für Ackermann geht weiter. Der Bundesgerichtshof hielt im Gegensatz zum LG Düsseldorf den Straftatbestand der Untreue durchaus für erfüllt. Den Zahlungen ständen keine Leistungen entgegen, die dem Unternehmen Mannesmann etwas gebracht hätten, seien also mehr Geschenke als Boni. Es wird somit eine Neuauflage des Verfahrens in Düsseldorf geben. Nun ist der Aufsichtsrat der Deutschen Bank gefordert. Es muss eine Lösung gefunden werden, die dafür sorgt, dass der Schaden für die Bank so klein wie möglich gehalten wird. Einen Chef der erneut monatelang auf der Anklagebank sitzt, kann die Bank sich eigentlich nicht leisten. Ackermann entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für das Unternehmen.
Ulrich Hocker

