Der Entry-Standard hat nur teilweise überzeugt
Im Oktober wird das Börsensegment „Entry Standard“ zwei Jahre alt. Doch ist der Geburtstag des legitimen „Neuer-Markt-Nachfolgers“ tatsächlich ein Grund zur Freude? Schließlich hat es eine ganze Reihe kleinerer und größerer Skandale rund um den Index gegeben. Hinzu kam eine Insolvenz. Trotzdem hat die Idee, kleinen und mittleren Unternehmen den Weg aufs Parkett schmackhaft zu machen, offenbar funktioniert. Bis jetzt wurden immerhin 103 Gesellschaften von dem Konzept „geringe Kosten aufgrund sehr überschaubarer Publizitätspflichten“ angelockt. Tendenz weiter steigend. Kein Wunder, beruht der Index doch auf dem Freiverkehr, ist also eine rein privatrechtliche Veranstaltung. Es gibt keine Börsenaufsicht und auch die hohen Transparenzanforderungen des öffentlich-rechtlich organisierten Marktes sind hier unbekannt. Für die Deutsche Börse AG war die Einführung somit eine echte Erfolgsstory.
Für investierte Anleger sieht die Bilanz nicht ganz so ungetrübt aus. Insgesamt hat das Segment die hochgesteckten Erwartungen nicht annähernd erreicht. Während etwa der DAX trotz aller Rückschläge seit Jahresanfang noch deutlich im Plus liegt, verzeichnete der Entry Standard ein fühlbares Minus. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die einzelnen Gesellschaften sich sehr unterschiedlich entwickelt haben. Die richtigen AGs aus dem Pulk der 103 Unternehmen herauszufiltern, ist aufgrund der mangelnden Transparenz gerade für Privatanleger aber kaum möglich. Aus Sicht des Finanzstandorts Deutschland kann dem Entry Standard also ohne Probleme gratuliert werden. Es wurde ein erfolgreiches Börsensegment für junge, innovative Unternehmen etabliert. Für Privatanleger sollte die Parole trotzdem weiter lauten: Ohne Informationen keine Investitionen.
Ulrich Hocker

