Depotauszüge bieten zu wenig Information
Wenn im Dezember die Tage kälter und ungemütlicher, die Abende länger und besinnlicher werden, flattern privaten Investoren die Jahresdepotauszüge ihrer Hausbanken in den Briefkasten. Die meisten Unterlagen geben dabei mittlerweile eine recht verständliche Übersicht über die Struktur des angelegten Geldes und über die verschiedenen Risikoklassen der genutzten Anlageprodukte. Für Investoren, die ihr Geld einem Vermögensverwalter anvertraut haben, sind hierbei vor allem zwei Dinge wichtig: Erstens sollte die Risikoverteilung dem bei Vertragsabschluss vereinbarten Profil entsprechen. Zweitens sollte es anhand des Auszugs möglich sein, die Anlagestruktur mit der des Vorjahres zu vergleichen – Änderungen geben schließlich Aufschluss über die Strategie des Verwalters.
Die Antwort auf die Frage, ob das Jahr erfolgreich war oder nicht, suchen viele Anleger aber leider nach wie vor vergebens. Hierfür reicht es eben nicht aus, dass der Vermögensverwalter eine positive Gesamtperformance vorweisen kann und damit über der für Festgeld erzielbaren Rendite lag. Um den Anlageerfolg eines solchen Dienstleisters tatsächlich beurteilen zu können, müssen die Auszüge die relative Performance, also das erzielte Ergebnis im Verhältnis zu einer ausgewählten Messlatte – etwa einem geeigneten Index – ausweisen. Ebenfalls eher selten in Depotauszügen anzutreffen sind Informationen zum eingegangenen Risiko. Dabei wäre dies für Anleger ebenfalls von großer Bedeutung. Denn was nutzt eine glänzende Performance, wenn Letztere mit einem Risiko erzielt wurde, das jenes der Benchmark bei weitem übersteigt? Auch diesbezüglich gibt es allgemein anerkannte, einfache Kennziffern (Information-Ratio, Sharpe-Ratio), nach denen sich die Anleger bei ihren Beratern informieren können und sollten.
Ulrich Hocker

