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Corporate Governance

'Corporate Governance' war ein bislang in Deutschland unbekannter Begriff, den man am besten mit 'Unternehmensverfassung' oder 'Unternehmenskontrolle' übersetzen könnte. Seit dem Fall Metallgesellschaft ist das Thema jedenfalls auch bei uns in der Diskussion.

Erste Bestrebungen, einen Kodex für alle börsennotierten Unternehmen zu schaffen, stellten die Arbeiten der Frankfurter Grundsatzkommission Corporate Governance unter Mitwirkung des DSW-Hauptgeschäftsführers Ulrich Hocker und der DSW-Kuratoriumsmitglieder Professor Dr. Lutter und Christian Strenger dar. Diese Vorarbeiten führten zu einem weiteren Kodexvorschlag, bevor dann die Bundesregierung das Thema aufgriff und eine Regierungskommission 'Corporate Governance, Unternehmensführung, Unternehmenskontrolle, Modernisierung des Aktienrechts' unter der Leitung von Professor Baums in das Leben gerufen wurde. Diese Kommission, in der erneut die DSW als Mitglied berufen wurde, legte im Sommer 2001 ihren umfangreichen Bericht mit fast 200 Empfehlungen vor.

Ziel der Empfehlungen zur Verbesserung des deutschen Corporate Governance Systems war zum einen, die Umsetzung über den Gesetzgeber, beispielsweise über den von der Bundesregierung vorgelegten 10-Punktekatalog zur Verbesserung des Anlegerschutzes und zum anderen, die Fortentwicklung der deutschen Unternehmensverfassung über einen Kodex. Hierfür hat im September 2001 eine weitere Kommission, nämlich die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) ihre Arbeit unter der Leitung von Dr. Gerhard Cromme (Cromme-Kommission) aufgenommen. Die Kodex-Kommission, in der auch ein Vertreter der DSW mitwirkt, hat in dem Kodex nicht nur die einschlägigen deutschen Bestimmungen aufgenommen, sondern zusätzlich auch national und international anerkannte Best-Practice-Standards einbezogen und damit ein auch für internationale Investoren umfassendes und verständliches Werk geschaffen.

Da auch das Thema Corporate Governance einem ständigen Wandel unterliegt, finden regelmäßig weitere Sitzungen der Kodex-Kommission statt, um das Regelwerk dynamisch anpassen zu können. Die letzte Anpassung des Kodex erfolgte im Juni 2010. Auch wenn der Kodex Ausdruck der freiwilligen Selbstregulierung ist, gibt es eine gesetzliche Ausgangsbasis, das Transparenz- und Publizitätsgesetz (§ 161 Aktiengesetz), das über das Prinzip 'comply or explain', also 'halte ihn (den Kodex) ein oder erkläre' alle börsennotierten Unternehmen in Deutschland erfasst.