Börsengang der Postbank wirft Schatten
Was Börsengänge angeht, hat uns das vergangene Jahr wirklich nicht verwöhnt. Kapitalerhöhungen und Unternehmensabspaltungen einmal abgezogen, hat nicht eine Firma den Weg an die deutschen Börsen gewagt. Damit erlebten die Investmentbanker eine Situation, wie es sie nach dem Zweiten Weltkrieg nur in den Jahren 1950, 1963 und 1968 gab. Das dürfte 2004 mit Sicherheit anders werden.
Auf der anderen Seite verwundert die Zurück-haltung der potenziellen Börsenkandidaten nicht sonderlich. Es entspricht guter alter Tradition in Deutschland, dass der Emissionsmarkt der Kursentwicklung mit zeitlicher Verzögerung hinterherläuft. So brach das IPO-Geschäft zum ersten Mal 1988 und damit ein Jahr nach dem Aktiencrash zusammen. Das bisherige Allzeithoch an Börsengängen gab es im Jahr 2000, als der Trend bereits gedreht hatte und die Kurse zu purzeln begannen. In dieser Situation sind wir heute zwar nicht, trotzdem gibt es gute Gründe für die Annahme, dass 2004 ein Jahr der Börsengänge wird.
Ein Eisbrecher steht auch schon parat: die Postbank. Der Spin-off aus der Deutschen Post, könnte ein echter Stimmungstest werden. In der Zwickmühle befindet sich dabei die Post, die zwei sehr unterschiedliche Interessenlagen miteinander vereinbaren muss. Die Neu-Aktionäre wollen einen möglichst niedrigen Emissionspreis, schließlich soll zumindest die Chance auf einen Kursgewinn am ersten Handelstag bestehen. Auf der anderen Seite stehen die Altaktionäre des ehemaligen Staatsunternehmens, zu deren Lasten es ginge, wenn die Postbank zu billig an den Markt kommt. Ein Beispiel für eine solche Verschleuderung von Aktionärsvermögen war der Infineon-Börsengang. Hier konnten die Anteilseigner der Muttergesellschaft Siemens mit dem Emissionspreis sicher nicht zufrieden sein. Die Lösung könnte in einer Art Vorkaufsrecht für die Altaktionäre liegen.
Ulrich Hocker

