Aufsicht erschwert Börsenaufschwung
Seit etlichen Monaten ist auf den deutschen Aktienmärkten keine klare Tendenz zu erkennen. Viele Aktienkäufer streiken. Abhilfe könnte eine verstärkte Nachfrage schaffen. Das notwendige Kapital hierfür wäre durchaus vorhanden. Doch die große Investorengruppe der deutschen Versicherungsgesellschaften, die zusammen immerhin 1 Billion Euro anzulegen haben, wird durch die sehr eng gefasste Risikokontrolle gehandicapt.
Rund 25 Prozent hatten die Versicherer in den Jahren 2000 und 2001 in Aktien investiert. Dann kam der Crash. Durch Verkäufe und starken Kursverfall sank die Aktienquote bis 2003 auf 10 Prozent ab. Einige Unternehmen kamen in bedenkliche Schieflage. Prominentestes Beispiel ist sicher die Mannheimer Leben, die die Vernachlässigung der Grundsätze einer
risikoadäquaten Kapitalanlagepolitik mit der Geschäftsaufgabe bezahlte.
Die Folgen für die Anlagestrategie der Versicherungswirtschaft waren gravierend. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) führte einen so genannten „Stresstest“ ein. Die Versicherungen müssen belegen, dass sie über genug Eigenmittel oder stille Reserven verfügen, um selbst bei einem Kursminus von 35 Prozent bei Aktien und 10 Prozent bei Rentenpapieren alle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen zu können. Die gesamten stillen Reserven der deutschen Versicherungswirtschaft liegen bei rund 50 Milliarden Euro. Das entspricht 5 Prozent der insgesamt zur Verfügung stehenden Anlagesumme. Da bleibt nur wenig Spielraum für weitere Aktienkäufe. Dabei ist eins klar: Ohne die Gelder der inländischen Versicherer wird es kaum einen nachhaltigen Aufschwung an den deutschen Aktienmärkten geben. Stellt sich die Frage, ob das von der BaFin angenommene Minus von 35 Prozent auf dem aktuell niedrigen Kursniveau wirklich sinnvoll ist, oder ob nicht eine Anpassung notwendig wäre.
Ulrich Hocker

