Aufklärung allein reicht nicht
Seit Jahren sagen uns die Statistiken, dass immer mehr Privatanleger der Börse den Rücken kehren. Zuletzt erschütterte die Nachricht, dass in den letzten zwei Jahren über 900.000 Anleger weniger in Aktien oder Fonds investiert sind. Und es steht zu befürchten, dass sich diese Zahl sogar noch erhöht. Nicht zuletzt die vollkommen realitätsfernen und schädlichen Vorstellungen der Bundesregierung von der Ausgestaltung der dem Grunde nach eigentlich richtigen Abgeltungssteuer werden ihre Wirkung zeigen. Schon heute rufen täglich besorgte Anleger bei der DSW an und erwägen, ihre Anteile zu veräußern, um einer Abgeltung zu entkommen. Sicherlich ist diese Reaktion nicht angezeigt und erst recht nicht in dieser Intensität. Aber es ist offensichtlich, wie sehr allein die Ankündigung einer Abgeltungssteuer die Anleger umtreibt.
Aber über alle diese sicherlich Besorgnis erregenden Nachrichten hinaus darf nicht vergessen werden, dass wir weiterhin rund zehn Millionen Privatanleger in Deutschland zählen. Und – dies zeigen die Erhebungen vieler DAX-Gesellschaften – die Privatanleger mögen in ihrer Gesamtzahl reduziert sein, ihr individueller Anteilsbestand ist aber vielfach deutlich höher als vor fünf Jahren. Die Privatanleger sind also heute intensiver investiert und dauerhaft interessiert. Hoffnung macht auch, dass sie nicht mehr jede Information ungeprüft für bare Münze nehmen. Diese erfreuliche Tendenz spiegelt sich auch in den Teilnehmerzahlen der Seminare und Aktienforen der DSW wider. Noch nie zuvor haben so viele Anleger unsere Veranstaltungen besucht, noch nie wurden dort so kritische Fragen gestellt wie heute. Doch um die Zahl der Privatanleger in Deutschland auch wieder deutlich zu erhöhen, reichen nicht nur Aufklärung und Weiterbildung der verbliebenen Anleger. Vielmehr braucht es hierfür auch klarer Signale aus Berlin und nicht weiterer Stolpersteine.
Ulrich Hocker

