Auch in der Wirtschaft kehren neuen Besen gut
Wenn es bei einer Fußballmannschaft längere Zeit nicht läuft, machen die Fans ihrem Unmut meist mit lauten „Trainer-raus!“-Rufen Luft. Bei anhaltender Erfolglosigkeit eine durchaus sinnvolle Praxis. Der Austausch der kompletten Mannschaft wäre schließlich deutlich aufwändiger und teurer. Überraschenderweise hilft der neue Chef oft sogar tatsächlich.
In der Wirtschaft scheint sich dieses Modell ebenfalls zu bewähren. Ein aktuelles Beispiel aus der Serie „neue Besen kehren gut“ ist der seit kurzem amtierende DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche. Auch hier zeigt die Veränderung durchaus Wirkung. Obwohl die wirtschaftlichen Rahmendaten des Autobauers sich nur rudimentär verbessert haben, hat der Aktienkurs seit Zetsches Amtsantritt trotz des jüngsten Rückgangs um rund 30 Prozent zugelegt. Kein Wunder, dass der Sympathieträger mit dem überdimensionalen Schnauzbart auf der diesjährigen Hauptversammlung mit aufmunterndem Applaus begrüßt wurde. Unter der Ägide seines ungeliebten Vorgängers Jürgen Schrempp sah das noch ganz anders aus. Das Aktionärstreffen war von einer Atmosphäre der eisigen Unzufriedenheit geprägt. Es fehlte nicht viel, und „Schrempp-raus“-Rufe wären durch das Berliner Kongresscenter gewabert. Ebenfalls stark in der Kritik stand damals der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper.
Neben dem wirtschaftlichen Erfolg ist hierbei die menschliche Komponente nicht zu unterschätzen. Während das Duo Schrempp-Kopper kalt, unnahbar und arrogant wirkte, ist der sympathische Zetsche das genaue Gegenteil. So legte er ohne Probleme sein Gehalt offen und beantwortete Fragen von Aktionären ausführlich und überzeugend. Selbst mit der massiven Kritik am nach wie vor kränkelnden Kleinwagenhersteller Smart wurde Zetsche locker fertig. Er beherrscht es, die Zuhörer für sich und seine Ziele einzunehmen. Klar ist aber auch: Bleibt der Erfolg aus, wird der neue Trainer ebenfalls ausgebuht. Und das zu Recht.
Ulrich Hocker

