Argentinien legt unzureichendes Angebot vor

Eins zumindest ist der argentinischen Regierung nicht vorzuwerfen: Dass sie sich nicht treu bleiben würde. Das neue Angebot an die mittlerweile stresserprobten Gläubiger des südamerikanischen Landes passt genau in die Reihe der bisherigen Äußerungen aus Buenos Aires. Zum wiederholten Mal ist es „die endgültig letzte Offerte“. Und wieder ist dieses

Angebot völlig inakzeptabel. Auch die Vorstellung des neuen Umschuldungsprogramms entsprach dem bisherigen Gebahren der argentinischen Regierung. Statt in Verhandlungen mit den Gläubigern eine tragfähige Lösung zu suchen, wurde der Vorschlag ohne jede Rücksprache als Diktat veröffentlicht. Die Botschaft ist klar: Friss oder stirb.

Und was da gefressen werden soll, ist insbesondere für die Privatanleger wirklich unverdaulich. Wie bei dem bereits bekannten Angebot sollen die Anleger auch jetzt wieder auf 75 Prozent ihres Geldes verzichten. Gnädigerweise erklärte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna nun allerdings erstmals, dass Argentinien bereit sei, einen Teil der seit Dezember 2001 nicht bezahlten Zinsen anzuerkennen und zu erstatten.

Was großzügig klingen soll, ist nichts anderes als ein weiterer Taschenspielertrick. Schließlich sollen die Zinsen nicht zu den alten Konditionen gezahlt werden, sondern gemäß der Zinssätze, die den neu auszugebenden Bonds zugrunde liegen. Damit dürften sich die Nominalwertabschläge auch nach dem aktuellen Vorschlag immer noch auf satte 77 bis 88

Prozent belaufen. Eine derart mangelhafte Zahlungsmoral sucht im internationalen Finanzmarkt bisher wirklich ihres Gleichen. Die einzige positive Nachricht ist, dass die Wachstumsraten des Landes weiter deutlich nach oben weisen. In diesem Jahr wird eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um rund 6,7 Prozent erwartet. Und jeder Prozentpunkt erhöht die Zahlungsfähigkeit des Landes.

Ulrich Hocker