Aktienrückkäufe werden überschätzt

Aktienrückkäufe sind bei deutschen Unternehmen nach wie vor sehr beliebt. So haben etwa Daimler, E.ON oder Siemens sich entsprechende Programme von ihren Aktionären genehmigen lassen. Damit können die Gesellschaften eigene Anteilscheine im Wert von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals über die Börse zurückkaufen. Dass die Anteilseigner meist nicht lange gebeten werden müssen, wenn es um die Zustimmung zu solchen Rückkaufprogrammen geht, liegt an den erwarteten positiven Kurs- und Dividendeneffekten. Diese kann es allerdings nur dann geben, wenn die Papiere nach dem Rückkauf eingezogen – also vernichtet – werden. Doch steigern solche Programme den Wert tatsächlich?


Nehmen wir einmal an, die Börsenkapitalisierung einer Firma läge bei 1000 und verteile sich auf 100 Aktien à 10. Nun kauft die Gesellschaft zehn Papiere zurück und zahlt hierfür 100. Der Firmenwert sinkt hierdurch auf 900. Die nach dem Rückkauf noch vorhandenen 90 Aktien weisen somit unverändert einen Wert von je 10 auf. Rein wertmäßig haben Rückkaufprogramme somit kaum das Zeug, zur Kurssteigerung beizutragen. Nun gibt es Firmen, deren Manager nicht gerade sparsam mit dem Kapital umgehen. In solchen Fällen können Aktienrückkäufe den Kurs dann steigern, wenn derselbe Gewinn mit weniger Kapital erwirtschaftet wird. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass die Aktie aufgrund der Vorgeschichte im Vergleich zum Gesamtmarkt bisher eine eher mäßige Performance abgeliefert haben dürfte. Die Anleger sollten daher nicht vergessen, dass eine Firma nicht durch die Optimierung der Finanzstruktur Werte schafft, sondern durch das operative Geschäft. Wer nach dem Firmenwert sucht, wird eher auf der Aktiv- als auf der Passivseite der Bilanz fündig.

Ulrich Hocker