Aktienoptionen mit absurden Folgen
Grundsätzlich ist die Idee, Manager mittels so genannter Aktienoptionspläne an steigenden Kursen ihrer Gesellschaft teilhaben zu lassen, begrüßenswert. Schließlich gehört Geld immer noch zu den am besten funktionierenden Motivationsmitteln. Einige Bedingungen sollten aber eingehalten werden, damit dieser Vergütungsbestandteil tatsächlich den angestrebten Motivationsschub mit sich bringt und nicht einer Selbstbedienungsmentalität Vorschub leistet. So muss eine absolute jährliche Steigerungsrate des Aktienkurses vereinbart sein, die wirklich ambitioniert ist. Zusätzlich ist ein relativer Vergleich mit der Branche nötig, in dem das betreffende Unternehmen tätig ist. Es ist schließlich nicht als außerordentlicher Erfolg zu werten, wenn die Anteilsscheine zwar deutlich im Plus liegen, die der Konkurrenten aber noch mehr zugelegt haben.
Der Fall des Ex-DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp zeigt nun, zu welch absurden Fehlentwicklungen Aktienoptionspläne auch führen können. Schrempp profitiert nach jüngsten Presseberichten in Millionenhöhe von dem Kursplus, das erst durch den Abschied von seinem Blütentraum einer „Welt AG“ möglich wurde. Vorher hatten die Anteilseigner für die verfehlte Geschäftspolitik des „Mister Shareholder Value“ einen hohen Preis bezahlt. Schrempp hatte den Marktwert des Autobauers glatt halbiert. Der Geldregen für Schrempp geht auf ein Optionsprogramm aus dem Jahr 2000 zurück. Darin wurde festgelegt, dass die Optionen bei einem Kursplus von 20 Prozent, egal in welchem Zeitraum, fällig werden. Zusätzlich wurde noch ein kleiner Trick eingebaut: Der Ausübungspreis für neue Aktienoptionen wurde mehrmals gesenkt, 2003 lag er nur noch bei 34,40 Euro. Ein Plus von 20 Prozent ist von dieser Basis viel leichter möglich als von den 74,76 Euro im Jahr 2000.
Ulrich Hocker

